Fagott

FagottWie die Flöte, die Oboe und die Klarinette gehört auch das Fagott zur Instrumentenfamilie der Holzbläser. Es ist im Bläsersatz innerhalb des Orchesters das tiefste Holzblasinstrument und hauptsächlich für den Bass verantwortlich.

Sein nächster Verwandter ist die Oboe, denn wie sie wird das Fagott mit einem Doppelrohrblatt gespielt. Dieses Rohrblatt ist der eigentliche Tonerzeuger und wird aus speziellem Schilfholz meist vom Spieler selbst hergestellt.

Der Klang des Instrumentes kommt dadurch zustande, dass der Spieler durch seinen Luftstrom das Doppelrohrblatt in Schwingungen versetzt. Diese Schwingungen werden auf die Luftsäule im Instrument übertragen und die aus dem Schalltrichter nach außen gelangende schwingende Luft nehmen unsere Ohren als Töne wahr.

Als antike Vorbilder eines jeden Doppelrohrblattinstrumentes werden in allen Instrumentenlehren Aulos (griechisch) und Tibia (römisch) genannt. Jede weitere Fortsetzung eines Stammbaumes scheitert aber, da die Familie der Doppelrohrblattinstrumente in Mittelalter und Renaissance von einer heute unvorstellbaren Größe und Vielfalt war. Das Fagott hat somit eine ganz stattliche Anzahl „Väter, Onkeln und Vettern“, wie z.B. Dulzian und Pommer. Diese Instrumente hatten alle die gleiche Bauart: eine Holzröhre mit wenigen Löchern und das in verschiedensten Größen. Je tiefer die Töne, die das Instrument hervorbringen sollte, desto länger musste es gebaut werden. Der Basspommer schließlich war fast drei Meter lang, so dass der Spieler auf einem Podest stehen musste, damit ihm das Spiel überhaupt möglich war. Diese Unhandlichkeit war ein echtes Problem, denn welcher Musiker schwebt schon gerne immer zwei Meter über dem Rest des Orchesters!

Dies löste man folgendermaßen – die „lange Stange“ wurde einfach in der Mitte umgeknickt und so entstand ein U-förmiges Doppelrohr. Daher kommt auch der heutige Name des Instrumentes: aus dem italienischen Wort „il fagotto“ = das Bündel, da die nun gebauten Instrumente aus zwei oder mehr nebeneinander liegenden Holzröhren bestanden, die in der Mitte U-förmig geknickt waren.

Obwohl das Fagott schon früh zum Einsatz kam (17. Jhdt.), zunächst als Continuo- Instrument und später vor allem in der Barockzeit häufig als Solo- und Kammermusikinstrument (A. Vivaldi, G.Ph. Telemann) ist seine Weiterentwicklung lange vernachlässigt worden. Erst im 19. Jahrhundert schuf der Fagottvirtuose und Instrumentenbauer Carl Almenräder den Grundtyp des noch heute gespielten Fagottes. Das von ihm entwickelte Modell besaß nur noch 5 Fingerlöcher und 14 Klappen und dies ermöglichte zum ersten Mal ein zusammenhängendes Spiel mit allen Tönen.

Moderne Instrumente, wie auch mein eigenes Instrument, besitzen 5 Grifflöcher und 24 Klappen. Es wird aus Ahornholz gebaut und ist in fünf Teile zerlegbar: den Stiefel, die Bassröhre, den Flügel, den Schalltrichter und den S-Bogen. Der Tonumfang beträgt ca. dreieinhalb Oktaven (Kontra B bis e²).

Der Klang des Fagottes ist den meisten durch S. Prokofjews „Peter und der Wolf“ bekannt. In diesem Werk wird der Großvater durch die tiefe „brummige“ Lage des Fagottes dargestellt. Die häufigste Verwendung findet das Fagott nach wie vor im Orchester und in der klassischen Kammermusik. Eine übliche Besetzung ist hierbei Bläserquintett (Oboe, Flöte, Klarinette, Horn und Fagott) oder Sextett und Oktett (2 Oboen, 2 Hörner, 2 Fagotte, 2 Klarinetten). In jüngster Zeit wird das Fagott auch vermehrt im Pop- und Jazzbereich verwendet, wobei durch die elektronische Verstärkung neue Klangeffekte entstehen. Das Fagott kann also überall dort eingesetzt werden, wo ein Bass benötigt wird.

Zum Schluss noch einige Fragen und Antworten, die für den Anfänger von Interesse sind:

Ab welchem Alter kann man Fagott lernen?

FagottinosFagott kann man schon im Volksschulalter lernen, denn es gibt so genannte „Fagottinos“ (Quint- und Quartfagotte) die kleiner und leichter sind als ein „Erwachseneninstrument“. Die „großen“ Instrumente kann man ab 10/11 Jahren spielen, auch da gibt es Möglichkeiten mit zusätzlichen Verlängerungen für die Klappen die Spielbarkeit zu erleichtern. Das beträchtliche Eigengewicht des Instrumentes (3,5kg) wir durch einen speziellen Schulterriemen abgefangen, oder es wird zunächst mit Sitzgurt im Sitzen gespielt.

Brauche ich spezielle Vorkenntnisse?

Natürlich ist es kein Nachteil, wenn man schon ein anderes Instrument gelernt hat, dies muss nicht unbedingt ein Blasinstrument sein. Viele Schüler lernen vorher Blockflöte und steigen dann auf Fagott oder Oboe um. Wichtig ist am Anfang regelmäßiges Üben, da sich vor allem die Lippenmuskulatur an die neuen Aufgaben gewöhnen muss. Es ist aber bereits nach relativ kurzer Zeit möglich (1-2 Jahre) im Schulorchester oder Schulbläserensemble erfolgreich teilzunehmen.

Wie komme ich zu einem Instrument?

Dies ist sicherlich die schwierigste Angelegenheit: entweder kann die Musikschule Instrumente zur Verfügung stellen, oder oft haben Blasmusikvereine entsprechende Instrumente in Verwendung. Letztlich gibt es noch die Möglichkeit bei einer Instrumentenfirma das Instrument gegen eine Gebühr auszuleihen.

Wo kann ich überall mitspielen?

Wie bereits erwähnt ist es bereits nach relativ kurzer Zeit möglich erfolgreich im Schulorchester oder Bläserensemble teilzunehmen. Das Fagott findet als Bassinstrument aber nahezu überall Verwendung: Volksmusik, Blasmusik, Schulband, Schulensemble, Orchester, Kammermusik, ………..

Das Fagott ist leider ein Mangelinstrument in Österreichs Musikschulen und wird selten in den Lehrfächern angeboten, obwohl wir dringend Nachwuchs benötigen.

Für diejenigen, die noch mehr Fagott hören wollen, ein paar Tipps:

  • W.A. Mozart „Fagottkonzert in B-Dur“
  • Vivaldi : er hat insgesamt 39 Fagottkonzerte geschrieben
  • M. von Weber „Fagottkonzert in F-Dur“
  • C. Saent-Saens „Fagottsonate“

Das Fagott in der Musikschule Bisamberg/Leobendorf/Enzerfeld

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